Predigt von

 

Metropolit Emmanuel von Frankreich

 

vom Sonntag 17. März 2013


Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Wir befinden uns nun an den Toren der großen Fastenzeit. Die heiligen vierzig Tage nehmen Gestalt an. Es ist jetzt an der Zeit für Umkehr, Hören, Gebet, Fasten und Vergebung. Die vergangenen Sonntage hatten alle eine Dimension der Vorbereitung, welche auch jetzt nicht aufhört, da wir in die große Fastenzeit eintreten. Vielmehr lädt sie uns ein unseren Weg fortzusetzen, zum auferstanden Christus, mit dem auferstandenen Christus, er, der da ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Wir nennen üblicherweise den Sonntag, der der großen Fastenzeit vorangeht den Sonntag der Vergebung. Im geistlichen Bewusstsein der gesamten orthodoxen Kirche ist sowohl die Fastenzeit als auch das Fasten an sich untrennbar mit der Vergebung verbunden. Indem wir einander um Vergebung bitten, bitten wir Christus um Vergebung unserer Verfehlungen und unseres Mangels an Liebe. Der Heilige Johannes von Kronstadt sagt: „Nicht danach zu verlangen, um Vergebung zu bitten, zeigt unseren Mangel an Glauben, unsere Selbstzufriedenheit, die Nichtunterwerfung unter das Evangelium, den Widerstand gegen Gott, die Komplizenschaft mit dem Teufel.“

 

Meine Anwesenheit heute hier bei Ihnen hat auch das Ziel zu beruhigen und zu bestärken. Die Geschichte des Exarchats ist ebenso reich wie komplex. Das Exarchat erstand aus der Bemühung um Widerstand gegen Totalitarismus sowie der Bewahrung einer geistlichen Tradition, welche auf Glaube, Frömmigkeit und Intelligenz basiert. Ich verstehe daher voll und ganz die Besorgnis die Sie verspüren, nachdem Sie durch das Communiqué des Diözesanrates vom 6. März 2013 erfahren haben, dass der Anlass der außerordentlichen Vollversammlung der Diözese nicht mehr die Wahl Ihres neuen Erzbischofs ist. Um in das Tohuwabohu, das im Moment besonders im Internet herrscht, ein Minimum an Wahrheit zu bringen, kommt es mir nun zu, Ihnen die Gründe für diese Entscheidung zu erklären. Während der Sitzung des Diözesanrates vom 13. Februar 2013 wurde tatsächlich eine Liste mit drei Kandidaten erstellt, ohne jedoch völlige Einheit innerhalb des Rates zu erreichen. Nach bestem Wissen und Gewissen und unter Berücksichtigung der gültigen Satzung des Exarchats war es mir nicht möglich, die Liste der Kandidaten in dieser Form zu unterschreiben.

 

Meine Aufgabe als Locum Tenens, welche in erster Linie darin besteht, die Wahl eines neuen Erzbischofs zu organisieren, verpflichtet mich auch dazu, diese Wahl so zu organisieren, dass sie vollkommen transparent sowie juristisch und kanonisch unangreifbar ist, um so die Integrität Ihrer Erzdiözese so gut wie möglich zu bewahren. Meiner Meinung nach waren die Bedingungen für eine solche Integrität nicht gewährleistet. Da Seine Heiligkeit der Ökumenische Patriarch Bartholomäus während meiner Audienz bei Ihm den Mangel an Einigkeit um die Kandidaten bemerkte, machte er einen Vorschlag, welcher zeitweise die Ausarbeitung günstiger Bedingungen für die rechtmäßige Wahl eines legitimen Erzbischofs ermöglichen soll. Der Vorschlag seiner Heiligkeit bringt in erster Linie seine pastorale Aufmerksamkeit gegenüber einer seiner kirchlichen Strukturen zum Ausdruck. Das Ökumenische Patriarchat erfüllt damit seine Aufgabe indem es die kirchliche Kommunion garantiert, um so die Eigenheiten des Exarchates besser bewahren zu können.

 

Ja, die Wahl eines neuen Erzbischofs wird in naher Zukunft organisiert werden. Es steht mir nicht zu, Ihnen hier und jetzt zu sagen wann genau das sein wird, da diese Entscheidung in Absprache mit dem Ökumenischen Patriarchat und dem Diözesanrat gefällt werden muss. Das Angebot, einen Vikarbischof zu wählen, der bis zur Wahl des neuen Erzbischofs mein Hilfsbischof sein wird, ermöglicht es jedoch, die Kontinuität in der Organisation des Kultes (Gottesdienste) zu gewährleisten. Wir respektieren nach wie vor die geistige und liturgische Tradition, die Sie repräsentieren, so wie wir es immer getan haben. Wir werden auch weiterhin den Patriarchalen Tomos von 1999 sowie die Satzung des Exarchates respektieren.

 

Ihre Tradition ist russischen Ursprungs. Wir sind uns dieser Tatsache bewusst und freuen uns darüber. Aber sie überschreitet die Grenzen der slawischen Welt und entwickelt sich so zu einem Model, das es ermöglicht, in einer einzelnen Gemeinde Gläubige von sehr unterschiedlicher Herkunft zu versammeln. Ihre liturgische Tradition ermöglicht es die multiethnische Realität in Frankreich zu integrieren. Selbst in unsere Metropolie gibt es Gemeinden, die dem slawischen Typikon folgen, aus den Gründen die ich soeben genannt habe, da es das Zusammenleben orthodoxer Christen verschiedener Herkunft vereinfacht. Ich wage zu glauben, dass diese Tradition, besonders wenn es sich um unsere Gemeinden in der Diaspora handelt, nicht das Privileg einiger weniger ist, sondern das Erbe aller Gläubiger.

 

Zum Abschluss möchte ich Ihnen versichern, dass nicht hier bin, um das Exarchat zu verändern und noch weniger um es zu annektieren. Glauben Sie mir, meine sonstigen Aktivitäten genügen mir vollauf. Als Sie jedoch vorgeschlagen haben, dass ich zum Locum Tenens ernannt werde, haben Sie mir Ihr Vertrauen ausgesprochen und ich möchte das in mich gesetzte Vertrauen nicht enttäuschen, indem ich meine Aufgabe nur zur Hälfte erfülle.

 

Ich habe Ihnen bereits im Januar gesagt und möchte es heute wiederholen: „Das Exarchat hat einen besonderen Platz innerhalb des Ökumenischen Patriarchats und innerhalb der Orthodoxie. Seien Sie sich dessen bewusst und seien Sie stolz darauf. Sie sind die Besitzer eines geistigen Erbes, welches man weiterhin vergrößern muss, wie es schon im Gleichnis mit den Talenten steht.“

 

Ich bitte Sie also, Vertrauen und Zuversicht zu haben und über die Worte des Heiligen Ignatius Briantchaninov nachzudenken, jetzt, da wir uns um Vergebung bitten und in die große und heilige Osterfastenzeit eintreten werden: „Wir wollen unseren Väter und Brüdern, nah oder fern, lebend oder tot, all ihre Beleidigungen und Verletzungen vergeben, die sie uns angetan haben, so als ob sie nicht schwer zu tragen seien.“

 

Amen und Gott segne Sie!