Communiqué des Erzbistums vom 20. Februar 2016

 

Коммюнике Архиепископии от 20 февраля 2016

 

Communiqué of the Archdiocese 20 February 2016

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

ich muss Ihnen mitteilen, dass sich in den letzten Tagen in Nizza schwerwiegende Ereignisse zugetragen haben.

 

Am Donnerstag, 18. Februar, haben die Verantwortlichen für die Verwaltung des « Russischen Friedhofs von Caucade », der, rufen wir das in Erinnerung, Privateigentum der religiösen Assoziation ACOR-Nizza ist, am späten Nachmittag entdeckt, dass die Schlösser des Friedhofsportals aufgebrochen, eine Kette und ein Vorhängeschloss am Gitter angebracht worden waren, sowie ein Schild befestigt worden ist, das vorgibt, dass der Friedhof gemeinsames Eigentum der Russischen Föderation und der Russisch-Orthodoxen Kirche seit 1867 sei. Es gab die Öffnungszeiten an, wie auch die Telephonnummer der neuen Verantwortlichen.

 

Am Freitag, 19. Februar, haben sich der Verwalter, sowie einige Gläubige erneut an Ort und Stelle begeben, begleitet von einem Schlosser und einem Gerichtsvollzieher. Überraschenderweise war Vater André Eliseev ebenfalls dorthin gekommen, in Begleitung eines Gerichtsvollziehers und einiger Personen! Es folgte ein schwer nachvollziehbares Gespräch, denn Vater André Eliseev behauptete offensichtlich, von der Russischen Föderation beauftragt worden zu sein, konnte jedoch kein rechtswirksames Dokument vorweisen, das sein Handeln irgendwie autorisierte. Letztendlich konnte mit dem Einverständnis der beiden Gerichtsvollzieher ein Kompromiss gefunden werden und der Schlosser baute ein neues Schloss ein: Beide Parteien haben einen Schlüssel des Friedhofsportals erhalten.

 

Vater André Eliseev hingegen begnügte sich nicht damit, einen Schlüssel des Portals zu besitzen, sondern forderte ebenfalls einen Schlüssel der Kapelle und des Hauses am Eingang. Das wurde ihm allerdings vom Verantwortlichen der ACOR-Nice nicht zugestanden. Um alle zukünftigen Streitereien zu vermeiden, wurde durch die beiden Gerichtsvollzieher ein Inventar der Einrichtung angelegt.

 

Herr Alexis Obolensky, der Verantwortliche von ACOR-Nice, musste feststellen, dass ein Friedhofsregister verschwunden war, und erstattete Anzeige bei der Polizei wegen Vandalismus, Einbruch in Privateigentum und Diebstahl eines Registers gegen Herrn Frizet, den Verantwortlichen der Assoziation der Kathedrale in Nizza.

 

So protestiert die ACOR-Nice als legitime Besitzerin des Friedhofs von Caucade in einer Mitteilung aufs Schärfste gegen diesen neuerlichen Angriff der Russischen Föderation und des Moskauer Patriarchats, wie auch gegen deren Besetzung der Örtlichkeiten. Die Assoziation hatte während der gesamten Sowjetzeit treu den Friedhof gepflegt und alle damit zusammenhängenden Pflichten getragen. Sie ruft daher erneut die Justiz an und bittet um den Schutz der Autoritäten der Französischen Republik. Es ziemt sich, Brüder und Schwestern, dass Sie darum wissen, dass das Urteil des Landgerichts von Nizza vom 20. Januar 2010 das Eigentumsrecht der Russischen Föderation ausschließlich bzgl. des Landstücks zugesprochen hat, auf dem die Kathedrale erbaut worden ist, und zwar aufgrund des Erbpachtvertrags. Dieses Urteil bezog sich auschließlich auf jenes Grundstück.

 

Wissenswerte Hintergründe:

 

1. Im Jahre 2014 (am 29.01., 29.04. und am 23.09.) hat der Botschafter der Russischen Föderation widerrechtlich und ohne Wissen der ACOR-Nice berichtigende Dokumente bei der Dienstleistungsstelle der „Publicité foncière“ (zuständig für Fragen des Eigentums, Hypotheken) niederlegen lassen, durch die das Eigentumsrecht am „Friedhof von Caucade“, von drei Grundstücken neben der Kathedrale St. Nicolas, wie auch der Kirche St. Nicolas und Alexandra in der Rue Longchamp eingefordert wird, die die ACOR-Nice von Beginn an besitzt und verwaltet.

 

2. Am 24.04.2015 hat die ACOR-Nice gegen diese Streitsache nach französischem Recht den Botschafter Rußlands und Meister Hugounenc, den Notar aus Nizza, der in den Streitsachen für den Russischen Staat prozessiert hat, vor Gericht geladen. Die Gerichtssache ist noch in der Schwebe; und es ist zu bemerken, dass die Russische Föderation sich dafür entschieden hat, nicht auf die Vorladung zu antworten.

 

Es ist mir eine Pflicht, Ihnen ebenfalls mitzuteilen, dass mir während eines Geprächs, das ich mit Bischof Nestor von Chersonèse am 10. dieses Monats geführt habe, bedeutet wurde, dass die Situation in Nizza sich ändern würde bezüglich des Friedhofs von Caucade, der Kirche Rue Longchamp und dass, im gleichen Zuge, auch andere historische Kirchen wieder zur Russischen Föderation zurückkehren würden.

 

Diese Ereignisse, Brüder und Schwestern, erschüttern uns und lassen uns das Ziel des Moskauer Patriarchats mittels der Russischen Föderation hinterfragen. Diese klagt für sich ein, Nachfolgerin des Heiligen Synods des kaiserlichen Rußland zu sein. Jene, die so die Geschichte manipulieren, vergessen, dass die Sowjetautoritäten, die auf das Russische Reich gefolgt sind, während 70 Jahren die Kirchen auf russischem Boden zerstört, den Klerus der russisch-orthodoxen Kirche eliminiert, die orthodoxen Christen Rußlands auf brutale Weise verfolgt und sich niemals um die Kirchen hier in Frankreich gekümmert haben.

 

Die Geschichte bleibt Geschichte und niemand kann sie nach seinem Gutdünken verfälschen. Während dieser gesamten Zeit des Todeskampfs des russischen Christentums haben die Gläubigen und die Verantwortlichen des Erzbistums der russische-orthodoxen Gemeinden in Westeuropa unter der kanonischen Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchats mit großem Respekt all diese Orte baulich erhalten und getreu und fromm das Gedenken all jener hoch gehalten, die hier ruhen. Daher verstehen wir die Verbissenheit des russischen Staates und der russischen Kirche nicht, gewaltsam ihre russischen und orthodoxen Mitbürger zu vertreiben, die diese Gedenkstätten lebendig zu erhalten suchten, die sie finanziell unterhalten haben und deren Eigentumsrecht ihnen durch den französischen Staat nach dem Gesetz der Immobilien unseres Gesetzbuchs zuerkannt wurde kraft der Beständigkeit und der Treue, die über mehrere Generationen hinweg von orthodoxen Gläubigen russischer Herkunft bewiesen wurden.

 

Geliebte Brüder und Schwestern, wir werden bald in die Zeit des Großen Fastens eintreten, die uns darauf vorbereitet, das Licht der Auferstehung zu empfangen. Ich lade jede Pfarrei und Gemeinde dazu ein, zu beten und zu fasten, damit der Herr unsere Verwalter und die Verantwortlichen unserer Kirchen stärke, die darum kämpfen, dass die den religiösen Assoziationen nach den Entscheidungen der französischen Justiz zugestandenen Rechte ihren Wert behalten und dass sie in ihre Gebete und ihr Fasten unsere Brüder und Schwestern einschließen, die schwer zu leiden haben unter der drohenden Ausweisung aus ihren Kirchen. Wir ergreifen überall Partei für die Menschen, doch wir erbitten von Gott allein, Gerechtigkeit walten zu lassen und die zivilen und religiösen Autoritäten zu erleuchten, auf dass der Friede herrsche in den „Heiligen Kirchen Gottes“.

 

+ Johannes, Bischof von Chariopolis, Patriarchalvikar und Locum tenens