Osterbotschaft des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios,
durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch
allem Volk der Kirche Gnade, Friede und Erbarmen
von Christus, dem in Herrlichkeit auferstandenen Erlöser

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und bischöflichen Dienst und im Herrn geliebte Kinder,

Christus ist auferstanden!

Alle orthodoxen Gläubigen feiern auch in diesem Jahr voll Freude die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus und singen: „Wir feiern des Todes Tötung, des Hades Niederlage, den Beginn des neuen ewigen Lebens. Frohlockend besingen wir den Urheber unseres Heils.“ (Strophe aus dem Osterkanon)

Während wir voll Freude die Auferstehung des Herrn als eine Realität des Lebens und der Hoffnung feiern, vernehmen wir aus der uns umgebenden Welt Schreie und Todesdrohungen, die aus allen Himmelsrichtungen diejenigen ausstoßen, die glauben, die Unterschiede zwischen den Menschen durch die Tötung ihrer Gegner beseitigen zu können – ein Verhalten, das nur ihre Unfähigkeit beweist. Denn durch die Provokation, welche die Tötung eines Mitmenschen bedeutet, durch die Feindseligkeit gegenüber dem, der anders ist, der sich also unterscheidet, wird die Welt nicht besser, noch werden dadurch die Probleme der Menschen gelöst. Außerdem stimmen alle, insbesondere die denkenden Menschen jeder Epoche, darin überein, dass das Böse durch das Gute, aber nicht durch das Böse besiegt werden kann.

Die Probleme werden dann wirklich gelöst, wenn wir die Würde der Person ehren und anerkennen und ihre Rechte respektieren. Im Gegensatz dazu werden Probleme jeder Art geschaffen und verschärft, wenn wir die menschliche Person verachten und ihre Rechte mit Füßen treten, insbesondere, wenn es sich um die Schwachen handelt, die die Gewähr haben müssen, sich sicher fühlen zu können. Und die Starken müssen Gerechtigkeit walten lassen, damit der Friede herrschen kann.

Doch Christus ist von den Toten auferstanden und hat auch dadurch bewiesen, dass der Tod unfähig ist zu herrschen und die Welt dauerhaft zu verändern. Was der Tod bewirkt, ist umkehrbar, denn es ist entgegen dem Augenschein vorläufig. Es hat weder Wurzeln noch Lebenskraft, während Christus, der den Tod ein für allemal besiegt hat, unsichtbar gegenwärtig ist.

Auf Ihn setzen wir unsere Hoffnung und glauben deshalb, dass das Recht auf Leben allen Menschen zusteht. Das Leben und die Auferstehung schenkt er uns, Jesus Christus, der den Tod und seine Macht über den Menschen zertreten hat. Nur auf Ihn und Seine Lehre darf der Mensch hoffen. Der Glaube an Christus führt zur Auferstehung, zur Auferstehung von uns allen. Der Glaube und die Verwirklichung Seiner Lehre im Leben führen uns zu unser aller Erlösung, aber auch zur Lösung unserer Probleme in der Welt.

Brüder und Kinder,

die Botschaft der Auferstehung, diese Überwindung der menschlichen Ohnmacht verkündigt das Leben angesichts einer hinfälligen Welt und der menschlichen Verwirrung. Vom Ökumenischen Patriarchat aus rufen wir, als durch Gottes Erbarmen berufener Vorsteher der Orthodoxen Liebe in der Wahrheit, jeden Menschen dazu auf, das zu erkennen und zu leben. Denn wir glauben, dass nur dadurch die durch die menschliche Konfusion „gestohlene“ Hoffnung, „unsere Hoffnung“ und die Hoffnung der ganzen Welt, wiedererlangt werden kann.

Möge das Licht der Auferstehung die Herzen aller erleuchten, so dass sie sich gemeinsam mit all ihren Mitmenschen in Liebe, Friede und Eintracht im Sohn und Wort Gottes freuen können, der das Licht, die Wahrheit und das Leben der Welt ist.

Ihm allein, dem von den Toten auferstandenen Herrn der Herrlichkeit, der „über das Leben herrscht und dem Tod gebietet“, der da lebt in Ewigkeit und „denen in den Gräbern das Leben schenkt“, gebühren  Herrlichkeit, Ehre und Danksagung. Amen.

 

Phanar, Ostern 2015

+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel
Euer aller inständiger Fürbitter bei Christus, dem Auferstandenen